Wetter 2018: Weltweit Hitze, Dürre und Überschwemmungen im Zeichen des Klimawandels

Auswirkungen in Deutschland und Österreich vor dem Hintergrund aktueller Erkenntnisse aus der Klimaforschung

von Thomas Loew, Herbert Formayer, Karsten Schwanke

Berlin, Mai 2019

Abstract

Das Jahr 2018 war nicht nur in Europa, sondern weltweit von Wetterextremen geprägt. In Deutschland, Österreich und weltweit gab es außergewöhnliche Wettersituationen, bei denen Menschen starben und die zu erheblichen Schäden geführt haben.

Der Artikel skizziert die weltweite Situation, die Schäden in Deutschland und Österreich und stellt neue Erkenntnisse der Atmosphärenforschung vor, die erklären, wie diese meteorologischen Ausnahmesituationen zustande kamen. Es ist erwiesen, dass solche Ereignisse durch den Klimawandel verstärkt werden und die globalen Wetterdaten zeigen, dass derartige Wetterextreme nun häufiger auftreten.

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Scientists for Future

Wetter 2018: Weltweit Hitze, Dürre und

Überschwemmungen im Zeichen des Klimawandels.
Auswirkungen in Deutschland und Österreich vor dem Hintergrund aktueller
Erkenntnisse aus der Klimaforschung.

von Thomas Loew, Herbert Formayer, Karsten Schwanke
Berlin, 2019

Abstract
Das Jahr 2018 war nicht nur in Europa, sondern weltweit von Wetterextremen geprägt. In Deutschland,
Österreich und weltweit gab es außergewöhnliche Wettersituationen, bei denen Menschen starben und
die zu erheblichen Schäden geführt haben.
Der Artikel skizziert die weltweite Situation, die Schäden in Deutschland und Österreich und stellt neue
Erkenntnisse        der     Atmosphärenforschung               vor,    die     erklären,      wie     diese     meteorologischen
Ausnahmesituationen zustande kamen. Es ist erwiesen, dass solche Ereignisse durch den Klimawandel
verstärkt werden und die globalen Wetterdaten zeigen, dass derartige Wetterextreme nun häufiger
auftreten.

1 | Globale Extremwetterereignisse

Der im April 2019 veröffentlichte Bericht der UN-Weltorganisation für Meteorologie (WMO 2019) ist
alarmierend. Die letzten vier Jahre - 2015 bis 2018 - waren die vier wärmsten Jahre seit Beginn der
Wetteraufzeichnungen. Neben Hitzerekorden an vielen Orten war das Jahr geprägt durch
     -    einen wohl neuen Weltrekord für die höchste Tiefsttemperatur mit 42,6 °C in Oman;
     -    einen wohl neuen Hitzerekord für Afrika mit 51,3 °C in Algerien;
     -    außergewöhnlich hohe Temperaturen in der Arktis;
     -    eine Verdreifachung des Gletscherschwunds in der Antarktis seit 2012.
Auf jedem Kontinent gab es Wetterextreme, die erhebliche Schäden verursachten. In weiten Teilen
Ostafrikas kam es im März und April zu gravierenden Überschwemmungen. In Kenia, das wie seine
Nachbarländer bis dahin unter einer Dürre gelitten hatte, fiel in diesen beiden Monaten das Doppelte
der   durchschnittlichen        Regenmenge,          die    resultierenden       Überschwemmungen               töteten    rund    150
Menschen und 310 000 Menschen mussten aus ihren Dörfern fliehen. Es gab erhebliche Verluste bei
Nutztieren, bei Agrarflächen und den Bewässerungssystemen (OCHA, 2018). In Japan kamen im Juni
245    Menschen         bei    Überschwemmungen               auf    der     Insel    Shikoku       ums     Leben.      Die     größte
Überschwemmungen des Jahres gab es in Indien, wo im Bundesstaat Kerala 1,4 Millionen Menschen
flüchten mussten (WMO Statement on the state of the global climate in 2018, 2019).
Gleichzeitig herrschte in weiten Teilen Europas außergewöhnliche Hitze und Dürre. Beispielsweise war
der   Sommer        in Dänemark         und    den    Niederlanden         so   heiß,    wie   noch     nie   seit   Bestehen       der
Wetteraufzeichnungen (KNMI, 2018; WMO Statement on the state of the global climate in 2018, 2019);




in Skandinavien wurden nördlich des Polarkreises mit mehr als 32 Grad Celsius neue Hitzerekorde
aufgestellt. Mitteleuropa erlebte die größte Hitzewelle dieser Heißphase zwischen Ende Juli und Anfang
August. Diese führte in Frankreich zu 1.500 überdurchschnittlichen Todesfällen (WMO Statement on
the state of the global climate in 2018, 2019). Große Waldbrände gab es in Schweden Griechenland,
Spanien und Portugal (Mühr et al., 2018).

2 | Dürre, Hitze und die Schäden in Deutschland

2018       war      auch        in    Deutschland              das      wärmste           Jahr      seit     1881,        dem        Beginn         der     regelmäßigen
Messaufzeichnungen. Die mittlere Temperatur lag 2,2 Grad über den Mittelwerten von 1961-1990. Das
Frühjahr war ungewöhnlich warm, die Monate April und Mai waren die wärmsten seit Beginn der
Wetteraufzeichnungen. Auf einen überdurchschnittlich regnerischen Januar folgten zehn Monate mit
einem        großen        Niederschlagsdefizit,                  das      je   nach       Bundesland             unterschiedlich              stark      ausfiel.       In   den
ostdeutschen Bundesländern und in Niedersachsen gab es am wenigsten Regen (DWD, 2018).

Dies führte zu entsprechend trockenen Böden. Nicht nur im Oberboden (bis 25 cm Tiefe), sondern im
                                                                                                                                                                     1
Gesamtboden (in Deutschland ungefähr 1,8 m tief) nahm die Bodenfeuchte laut Dürremonitor                                                                                ab Juni
deutlich ab. Bereits im August herrschte im Boden nahezu überall Dürre, in 40% des Gesamtbodens
sogar extreme Dürre, d.h. sehr geringe Bodenfeuchte im Vergleich zum langjährigen Mittelwert. Weil es
auch      dann       kaum        regnete,         nahm        die    Trockenheit            weiter       zu,    so     dass      Anfang         Dezember            90%       des
Gesamtbodens in Deutschland von extremer Dürre betroffen waren (UFZ, 2019).

Landwirtschaft

Die geringe Wasserverfügbarkeit hatte natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Die
Kartoffelernte lag 25% unter Vorjahr, die Getreideernte betrug lediglich 17% des Vorjahrs (Statistisches
Bundesamt,             2019).       Die     Durchschnittswerte                  vermitteln          aber      nur     ein    unvollständiges               Bild,    denn       die
regionalen Unterschiede waren erheblich. Manche Bauern erlitten massive Einbußen und waren auf
finanzielle Unterstützung angewiesen. So hatten die Bundesländer im August Schäden von rund 3
Milliarden Euro gemeldet (FAZ, 2018a). Zur Unterstützung von Betrieben in Notlagen wurden 390
Millionen Euro bereitgestellt. Hinzu kam, dass in manchen Landstrichen das Grünland, einschließlich
der Weiden verdorrt waren. Deshalb hatten rinder- und schafhaltende Betriebe vielfach große Probleme
bei der Grundfutterversorgung (BMEL, 2018). Teilweise haben die Bauern auch mehr oder frühzeitigere
Schlachtungen vorgenommen als üblich (Mühr et al., 2018).

Wälder

Auch in den Wäldern hat die Dürre große Schäden verursacht. Zum einen vertrockneten in großem
Umfang          Jungbäume,              weil     ihre     Wurzeln          noch       nicht     tief    genug        waren,        um      an     den      abgesunkenen
Grundwasserspiegel zu kommen. Zum anderen gab es 2018 deutlich mehr Waldbrände als üblich.
Durchschnittlich gibt es in Deutschland 700 Waldbrände mit einer betroffenen Fläche von 333 ha (BLE,
2018). 2018 brannte es allein in Brandenburg über 500-mal auf einer Fläche von insgesamt 1674 ha
(MIK Brandenburg, 2019). Des Weiteren reduziert die mangelnde Wasserversorgung der Bäume ihre
Abwehrfähigkeit gegenüber Schädlingen. Zugleich führen höhere Temperaturen im Frühjahr zu einer



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  www.ufz.de/duerremonitor

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schnelleren Reproduktion und Vermehrung von Borkenkäfern. So waren beispielsweise in Bayern Ende
2018 die meisten Wälder bezüglich Borkenkäfer als „gefährdet“ und davon rund ¼  als „mit Befall“
eingestuft (Triebenbacher & Petercord, 2019). Um die Ausbreitung des Befalls zu verhindern, mussten
viele Bäume gefällt werden. Zudem galt es, die am 18.1.2018 wegen des Orkans „Friederike“ gefallenen
Bäume aus dem Wald zu bringen, was sich 2018 insgesamt zu einem Volumen von rund 32 Mio.
Festmeter Holz addiert hat (BMEL, 2019). Dies entspricht 50% des üblichen Jahreseinschlags. Dies hat
laut Dachverband der Waldbesitzer (AGDW) zu einem Preisverfall auf dem Holzmarkt geführt (AGDW,
2019).

Die Lage wird vom Sächsischen Umweltministerium als „verheerend“ und „besorgniserregend“ (SMUL,
2018), von der AGDW sogar als „katastrophal“ eingestuft. Die AGDW schätzt die Schäden bundesweit
auf 2,5 Milliarden Euro und fordert in einem Positionspapier (AGDW, 2019) 500 Mio. € Finanzhilfen und
zudem Steuererleichterungen. Die gleichzeitig erhobene Forderung nach Erleichterungen beim Einsatz
von Pestiziden muss allerdings kritisch gesehen werden.

Ökosysteme

Eine Stellungnahme der deutschen Wissenschaftsakademien hält fest, dass aufgrund von Monokultur
und intensiver Nutzung der Agrarflächen die Artenvielfalt in Deutschland dramatisch abnimmt. Durch
den     Rückgang            der     Artenvielfalt          auf    und      in   den      Böden        verlieren         Bodenökosysteme                    ihre    Fähigkeit,
extreme Dürre-Ereignisse abzupuffern (Nationale Akademie der Wissenschaften – Leopoldina, Union
der       deutschen             Akademien                der       Wissenschaften                   &      acatech           –      Deutsche             Akademie              der
Technikwissenschaften,                      2018).        Ähnliches          gilt    für   die     Gewässer:            Während            des     Sommers             kam       es
vermehr zu Fischsterben. Ursache waren die hohen Temperaturen, die zu Sauerstoffmangel führen.
Gleichzeitig verstärkt Sauerstoffmangel die Freisetzung von Nährstoffen aus dem Sediment und damit
die Gefahr der Massenentwicklung von Cyanophyceen, d.h. Blaualgen. Dies kann durch die Reduktion
von      externen          Nährstoffeinträge                kompensiert              werden         (IGB,       2018;        Shatwell          &    Köhler,        2019).        In
Fließgewässern                 führt      die      Einleitung           von       erwärmtem              Kühlwasser              von       Kraftwerken              zu      einer
Verschlimmerung                  der     Situation,         ebenso          wie     deren        Begradigung              und      Aufstau,          weil     dadurch          der
Sauerstoffeintrag               aus      der     Luft     infolge       der     natürlichen           Fließgewässerdynamik                       vermindert            wird.      In
naturbelassenen                 Gewässern              können          die     Fische        solche        Belastungen              besser         überstehen.             Unter
normalen Umständen erholen sich die Bestände wieder in einigen Jahren (BMBF, 2018).

Vorzeitige Todesfälle

Anhaltend hohe Lufttemperaturen sind ein Gesundheitsrisiko, denn das körpereigene Kühlsystem kann
dann überlastet werden. Als Folge können bei empfindlichen Personen Regulationsstörungen und
Kreislaufprobleme auftreten. Bei älteren Menschen und bei Personen mit bestimmten Erkrankungen
(wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen) kann dies zu einem vorzeitigen Tod führen. Die Effekte
lassen sich statistisch nachweisen (UBA, 2018a). Im Hitzesommer 2003 starben europaweit mindestens
80.000        Menschen            vorzeitig        aufgrund          der     Hitzebelastung              (Robine,         Cheung,          Le     Roy,      Van      Oyten        &
Herrmann, 2007), in Deutschland waren es ca. 7.000 (UBA, 2018a). Für das Jahr 2018 liegen noch
keine bundesweiten Werte vor.

Verkehr, Wirtschaft

Laut Zeitungsberichten kam es auf einigen Autobahnen zu hitzebedingten Fahrbahnschäden und in der
Folge       zur     Sperrung           von      Fahrbahnen              und      Geschwindigkeitsbegrenzungen.                                Bei     der     Bahn        traten
                                                                                       I 3 I






Schienenverformungen und Böschungsbrände auf. Die größten Auswirkungen im Verkehr waren bei
der Schifffahrt zu verzeichnen. Hier führte die Trockenheit vielerorts zu Niedrigwasser. Auf dem Rhein,
Deutschlands wichtigster Wasserstraße, konnten die Schiffe nur noch mit Teilbeladung fahren. Auf
anderen Flüssen, wie z.B. der Elbe und der Oder, musste die Schifffahrt in größeren Abschnitten
eingestellt werden (Mühr et al., 2018).

Thyssen Krupp und BASF berichteten von Kostensteigerungen und von Überlegungen, Transporte auf
LKW       und      Schiene         zu     verlagern         (a.a.O.).        Am      Stammwerk              von      BASF        in   Ludwigshafen,               einem        der
Chemieareale, musste schließlich die Produktion gedrosselt werden, weil die Wasserentnahme aus
dem Rhein und die Wiedereinleitung von warmen Wasser begrenzt wurde (FAZ, 2018b).  In Süd- und
Westdeutschland führten im November 2018 die anhaltend niedrigen Wasserstände zu Engpässen bei
Benzin und Diesel und entsprechend höheren Preisen (Südwest Presse, 2018).

3 | Dürre, Hitze und die Schäden in Österreich

Auch in Österreich waren 2018 die klimatischen Verhältnisse besonders im Sommer außergewöhnlich.
Die Durchschnittstemperatur des Sommerhalbjahres vom April bis September lag ein Grad über dem
Wert des bisherigen Rekordjahrs 2003. Verglichen mit dem Mittelwert des 20. Jahrhunderts bedeutet
das     eine      Abweichung               von     3,6     Grad        über      dem       Durchschnitt.             Damit        setzte       sich      der     anhaltende
Temperaturanstieg der letzten 40 Jahre besonders im Sommerhalbjahr weiter fort (ZAMG, 2018).

Die räumliche Verteilung der Temperaturabweichung war sehr homogen. In vielen Regionen traten
Temperaturabweichungen                           von       1,8     Grad        auf      (Referenzzeitraum                   1981-2010).              Lediglich          in    den
Beckenlagen südlich des Alpenhauptkammes lag die Abweichung unter 1,5 Grad, und in den nördlichen
Grenzgebieten überstieg sie in einzelnen Regionen 2,5 Grad. Die geringere Temperaturabweichung im
Süden wurde durch die höheren Niederschläge verursacht. Auch gab es in den meisten Regionen
mindestens            doppelt        so     viele     Hitzetage          (mit     mindestens            30     °C)     wie     im    Durchschnitt             (1981-2010).
Beispielsweise hatte Wien 42 Hitzetage statt 21 und Linz 34 statt 11 Hitzetage (a.a.O).

Bei der Niederschlagsverteilung gab es im Sommerhalbjahr 2018 eine Zweiteilung in Österreich.

Südlich des Alpenhauptkammes, also in Osttirol, Kärnten und der Steiermark, waren die Niederschlags-
summen normal bis überdurchschnittlich. Im steirischen Randgebirge wurden teilweise sogar 150 % der
Normalniederschlagssumme erreicht. Diese Niederschläge fielen überwiegend im Frühjahr und häufig
auch in Form von heftigen Gewittern (Stangl et al., 2019).

Nördlich des Alpenhauptkammes wurden weniger als 75 % des Normalniederschlages erreicht, in
manchen Regionen Vorarlbergs, Salzburgs, Ober- und Niederösterreichs sogar weniger als 60 %.
Derart        große        Abweichungen                 der      Halbjahreswerte                 sind      äußerst          ungewöhnlich.                Die      geringeren
Niederschlagsmengen                        führten         zu      einem          starken          Rückgang              des       Bodenwassergehaltes,                        mit
entsprechenden Auswirkungen auf die Vegetation sowie die Quellschüttungen und die Wasserstände
der Flüsse (Stangl et al., 2019).

Gesundheit

Die lang anhaltende Hitze 2018 wirkte sich besonders in den Städten auf die Gesundheit und das
Wohlbefinden der Menschen aus. Laut offizieller Berechnungen der AGES (2019) verursachte die Hitze
766       vorzeitige           Todesfälle.            Zum         Vergleich:           2018         gab        es      in    Österreich             400       Verkehrstote
(Bundesministerium                   Inneres,        2019).        Besonders            hitzeanfällig          sind     unter      anderem           ältere      Menschen,

                                                                                       I 4 I






Kinder, sowie Menschen mit Herz-Kreislauf- und psychischen Erkrankungen.

Landwirtschaft
Die trockensten Regionen des Landes waren Oberösterreich sowie Teile Niederösterreichs, Teile von
Vorarlberg, das westliche Nordtirol und Salzburg. Dort waren die Ertragsverluste bei Grünland und
Feldfutterbau besonders groß. Auf Wiesen und Weiden in Oberösterreich, im Waldviertel und weiten
Teilen Vorarlbergs und Tirols fehlten nach Angaben der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ)
mindestens 40 % des Normalertrags. Auch kam es aufgrund des Wassermangels zum frühzeitigen
Abtrieb der Tiere von den Almen (Stangl et al., 2019).
Bei den Ackerkulturen gab es 2018 vor allem im Osten und Nordosten Österreichs spürbare Einbußen.
Nach Angaben der Landwirtschaftskammer (2018) lag die Gesamternte von Weizen etwa 12 % unter
dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.
Verstärkt wurden die Verluste durch das vermehrte Auftreten von Schädlingen. Die frühsommerlichen
Temperaturen im April förderten das rapide Auftreten von Rübenrüsselkäfern und Rübenerdflöhen in
Niederösterreich und im Burgenland. Dort wurden ca. 12.000 Hektar und somit ein Drittel der Zu-
ckerrübenanbaufläche befallen, wodurch Schäden in der Höhe von 10 Millionen Euro                                                                                entstanden.
Gleichzeitig           kam       es     vor     allem       in    Oberösterreich               zu    einem         extremen           Befall       mit     Maikäferlarven
(Engerlingen). Diese schädigten weite Grünlandbereiche durch das Abfressen der Graswurzeln. Die
Engerling-Problematik wird sich voraussichtlich auch in den kommenden Jahren nicht entspannen.
Die     Dürre       versursachte             in   der     Landwirtschaft              einen      Gesamtschaden                   in   Höhe        230     Millionen         Euro
(Österreichische               Hagelversicherung,                   2018).       Hinzu        zudem         führten        in   der     Steiermark            und      Kärnten
Hagelunwetter mit starkem Regen und Überschwemmungen zu Schäden in Höhe von 30 Millionen Euro.
Um die betroffenen landwirtschaftliche Betriebe zu unterstützen wurden, 20 Mio. Euro an Zuschüssen
zur Verfügung gestellt. Zudem wurden 20 Mio. Euro zur Stärkung der Eigenvorsorge der Landwirtinnen
und Landwirte in Form von Agrarversicherungen gewährt (Stangl et al., 2019).

Forstwirtschaft
Bereits 2017 führten Trockenheit und                                   eine Hitzeperiode                 im Juni        zu einer starken Vermehrung an
Borkenkäfern, die insbesondere Fichten befallen. So wurde bereits damals ein Rekordschaden von 3,52
Mio. Vorratsfestmeter verzeichnet, wobei Niederösterreich besonders stark betroffen war.
Als dann im Jahr 2018 die klimatischen Bedingungen erneut die Vermehrung der Borkenkäfer förderte,
trafen diese auf Fichtenbestände, die durch den wiederkehrenden Wassermangel bereits erheblich
gestresst waren. Dies führte dazu, dass 5,2 Mio. Vorratsfestmeter geschädigt wurden, der Rekordwert
vom       Vorjahr         wurde         somit        um       fast     die     Hälfte        übertroffen.            Hinzu        kommen             Schäden           an      der
Waldverjüngung, denn wie in Deutschland sind Jungbäume vertrocknet.
Die nun geschwächte Widerstandsfähigkeit der Bäume gegenüber rinden- und holzbrütenden Insekten
und manchen Pilzkrankheiten wird auch in den folgenden Jahren noch spürbar sein.




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4 | Ursachen                         für         die          weltweiten                     Wetterextreme                             und           Bezug                zum

        Klimawandel

Extremwetterereignisse                       sind       immer          eine       Mischung             aus        dem        stark        vom        Zufall        geprägten
Wettergeschehen und den mittleren Klimabedingungen, die sich in den letzten Jahrzehnten durch die
vom Menschen verursachte globale Temperaturzunahme immer stärker verändern. Dadurch kann es
zu einer Veränderung der Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen kommen.

Physikalisch             sind       durch         die      Erwärmung               u.a.      häufigere           und       intensivere            Hitzewellen             sowie
Extremniederschläge zu erwarten. Ein Einflussfaktor auf Extremniederschläge ist das größere Potenzial
wärmerer Luft, Wasserdampf aufzunehmen. Die Kapazität der Luft, Wasserdampf zu halten, steigt pro
Grad Temperaturzunahme um 7%. Und bereits relativ kleine Erhöhungen der globalen Mitteltemperatur
können Hitzewellen deutlich verschärfen (Diffenbaugh et al., 2017). Die erwarteten Veränderungen
wurden         inzwischen             in    globalen          Wetterdaten             nachgewiesen.                 So     treten        heute       fünfmal         so     viele
Hitzerekorde in den Monatswerten auf, wie in einem stabilen Klima zu erwarten wären (Rahmstorf &
Coumou, 2011). Auch die Zunahme von maximalen Niederschlagsintensitäten wird weltweit beobachtet
(Fischer & Knutti, 2015; Lehmann, Coumou & Frieler, 2015).

Neben         diesen        einfachen            physikalischen              Faktoren           können          auch       veränderte            Windmuster              in    der
Atmosphäre zu neuen Wetterextremen führen. Eine ganze Reihe von Studien (z.B. (Coumou, Lehmann
& Beckmann, 2015;                     Kornhuber            et al., 2019; Mann                  et al., 2018) hat in den                      letzten Jahren solche
Veränderungen dokumentiert, u.a. eine Verlangsamung des Jetstreams, eines Starkwindbandes in etwa
10 Kilometern Höhe.

Der     Jetstream,           der     von     Westen          nach       Osten       bläst,      beeinflusst          unser       Wetter,        denn       er    steuert       die
Verlagerung             von      Hochs         und      Tiefs      auf      der     Erdoberfläche.                 Der      Motor        des      Jetstreams            ist    der
Temperaturunterschied zwischen Nord und Süd, also zwischen den kalten Polargebieten und den
wärmeren Tropen. Je größer dieser Temperaturunterschied ist, desto kräftiger weht der Westwind in
diesen Höhen.

Weil der Temperaturanstieg in den Polargebieten etwa doppelt so stark ist, wie in den mittleren Breiten,
ist der Nord-Süd-Temperaturunterschied in den letzten Jahrzehnten kleiner geworden – und damit auch
der Antrieb für den Jetstream.  Nun kommt noch ein zweiter Aspekt ins Spiel: Dieses Windband weht
nicht auf einer geraden Linie von West nach Ost über die Nordhalbkugel, sondern bildet immer wieder
Wellen. Je schwächer die Windgeschwindigkeit in diesem Windband ist, desto stärkere Wellen bildet
der Jetstream und um so stärker sind also die Ausbuchtungen der Wellen nach Nord und Süd (Mann,
2019). Dies führt zum einen dazu, dass wärmere Luft weit nach Norden in die Arktis transportiert wird
und umgekehrt kalte Luft weit nach Süden fließen kann (wie bei der Kältewelle in den USA im Januar
2019).  Ein stärker nach Nord und Süd ausgreifender und sich abschwächender Jetstream kann aber
auch zur Folge haben, dass sich seine Wellenberge und -täler kaum von der Stelle bewegen. Hochs
und Tiefs wandern langsamer oder bilden sich an Ort und Stelle immer wieder aufs Neue (Mann et al.
2018).       Bestehende              Wetterlagen            erhalten         dadurch          eine      größere         Persistenz           und      können         zu     einer
Verstärkung vorhandener Situationen führen, wie die langanhaltende Dürre im Sommerhalbjahr 2018
in weiten Teilen Europas gezeigt hat (Kornhuber et al., 2019; Mann, 2019). Umgekehrt können auch
Regenwetterlagen über lange Zeit bestehen bleiben und Überschwemmungen verursachen (Japan oder
Italien 2018) oder Hitzewellen länger anhalten.

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2018 war nicht das erste Jahr, in dem der Jetstream in seiner Position verharrte. Dies geschah auch
bereits       2003        (Europäische              Hitzewelle),           2010       (russische           Hitzewelle           und      Überschwemmungen                         in
Pakistan) und 2011 (Dürre und Hitzewelle in Oklahoma und Texas, vgl. (Mann et al., 2018).

5 | Fazit
Im vergangenen Sommer konnten wir erleben wie sich der Klimawandel auswirken kann, wobei wir
hierzulande noch relativ glimpflich davongekommen sind. Die Klimaforschung hat längst nachgewiesen,
dass       die    Atmosphärenerwärmung                           global       zu     Hitzewellen,            Dürren,         Stürmen          und       Dauerregen             mit
Überschwemmungen                         führt.       Weitere           früh       prognostizierte               und        inzwischen             zu      beobachtende
Auswirkungen,                wie      beispielsweise               der      Anstieg          des       Meeresspiegels                 und       Veränderungen                  der
ozeanischen Strömungen, wurden hier nicht skizziert, sind aber ebenso gravierend.
Dies zeigt, wie dringend es ist, das Pariser Abkommen einzuhalten und die Erhöhung der globalen
Mitteltemperatur               deutlich        unter       zwei       Grad       zu     halten,        möglichst          das       1,5-Grad-Ziel             anzustreben.
Deutschland, der mit Abstand größte Treibhausgasemittent in der EU (UBA, 2018b), hat seine CO2-
Emissionen in den vergangenen 10 Jahren kaum reduziert und wird sein Klimaziel für das Jahr 2020
deutlich verfehlen. Dabei hätte man das Ziel durchaus gut erreichen können (Kopiske & Norman, 2018).
In Österreich werden nicht nur die Reduktionsziele bei den Treibhausgasen nicht erreicht, seit 2014 sind
die Emissionen sogar real jedes Jahr gestiegen und waren 2017 um 7,2 % höher, als im Jahre 2014
(Anderl, Gangl, Haider, Kampel & et. al., 2019).
Mit jedem Jahr, in dem keine Kehrtwende eingeleitet wird, wird es schwieriger und bald unmöglich
werden, den Klimawandel auf 1,5 Grad zu begrenzen. Es muss nun sehr schnell und in wirksamer
Größenordnung                  gehandelt            werden.          Daher         sind      die      weltweiten            Proteste          für    Klimaschutz              und
Nachhaltigkeit und der Ruf nach sehr schnellerem Handeln vollkommen berechtigt.






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Der Artikel wurde im April und im Mai 2019 geschrieben. Mehrere Scientists for Future haben die
Erstellung des Artikels tatkräftig unterstützt.
www.scientists4future.org




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