Antworten auf zentrale Fragen zur Einführung von CO2-Preisen

Gestaltungsoptionen und ihre Auswirkungen für den schnellen
Übergang in die klimafreundliche Gesellschaft

Klimaschutz hat für die Bürgerinnen und Bürger eine sehr hohe Priorität. Dies zeigt sich nicht nur
regelmäßig in Befragungen, sondern auch durch die politische Bewegung „Fridays for Future“ bzw.
„Klimastreik“. Dennoch bleiben die Anstrengungen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren,
unzureichend. Ein wesentlicher Grund für das Missverhältnis von Überzeugung und kollektivem
Handeln liegt darin, dass Treibhausgase, insbesondere in Deutschland und Österreich, keinen angemessenen
Preis haben. Klimaschädigendes Verhalten ist häufig zu preiswert, klimaschonende
Alternativen sind meist finanziell wenig attraktiv. Das gilt für alle: Unternehmen, Bürgerinnen,
Bürger und die öffentliche Hand. Da im Pariser Klimaabkommen 2015 vereinbart wurde, den
Temperaturanstieg deutlich unter 2 °C zu halten und Anstrengungen zu unternehmen, den Temperaturanstieg
auf 1.5 °C zu begrenzen, ist der für weitere Treibhausgase verbleibende Platz in der
Atmosphäre sehr knapp. Knappe Güter sollten in einer Marktwirtschaft teuer sein – ansonsten
kommt es zu einem Marktversagen. Treibhausgase sind jedoch bisher nicht angemessen bepreist.

In Deutschland wurde 2019 beschlossen einen CO2‐Preis ab 2021 einzuführen und anschließend
schrittweise zu erhöhen. Mit der nachfolgenden Zusammenstellung einiger in der Öffentlichkeit
häufig diskutierter Fragen bereiten wir den Stand der Forschung für Interessierte auf.

Dabei beachten wir das Sondergutachten des Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung („Wirtschaftsweise“) und die Gutachten des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW), des Forum‐Ökologisch Soziale Marktwirtschaft (FÖS), des Mercator
Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC Berlin), des Instituts für Makroökonomie
und Konjunkturforschung (IMK) der Hans‐Böckler‐Stiftung, des RWI – Leibniz‐Institut
für Wirtschaftsforschung, des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie und der Leopoldina von Juli 2019, die allesamt Möglichkeiten untersuchen, in
Deutschland höhere CO2‐Preise einzuführen.

Die folgenden Ausführungen sollen allen Interessierten eine wissenschaftlich fundierte Einordnung
des gegenwärtigen Forschungsstandes und der daran anknüpfenden Handlungsoptionen rund um
das Thema der CO2‐Bepreisung bieten. Sie erklären, warum Ökonominnen und Ökonomen CO2‐
Preise als das kostengünstigste Mittel für mehr Klimaschutz erachten. Es wird dargestellt, dass sich
CO2‐Preise unter anderem in Großbritannien, Kalifornien, Schweden und der Schweiz bewährt
haben, und diskutiert, welche Höhe für die CO2‐Preise im Verlauf der kommenden Jahre und Jahrzehnte
angemessen sind. Die beiden grundsätzlichen Möglichkeiten zur Einführung von CO2‐
Preisen über eine Steuer oder einen Emissionshandel sowie Mischformen werden vorgestellt.
Zudem wird beantwortet, ob CO2‐Preise gerecht sind, wie sie sozial ausgewogen gestaltet werden
können und warum etwaige negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der
deutschsprachigen Länder sehr überschaubar sein dürften. Darüber hinaus wird die öffentliche
Wahrnehmung von CO2‐Preisen behandelt. Es wird erläutert, warum der CO2‐Preis eine zentrale
Bedeutung für die Klimapolitik besitzt, ergänzende umweltpolitische Maßnahmen aber nicht
überflüssig macht.

Die aktuelle Fassung kann hier abgerufen werden:

https://zenodo.org/record/3644498#.Xv3NLOdCR8I